EAN, GTIN, UPC, Code128? Was bedeutet das alles? (2024)

GTIN, EAN, UPC, Code128? Identifikationsmarker wie diese sind in jedem Marktplatz sowie Onlineshop notwendig. Anders lässt sich der Vertrieb der Produkte nicht genau nachvollziehen – es wird nicht klar, wie viele Artikel verkauft wurden oder sich noch im Lager befinden. Gemeinhin kennt man diese Marker als Teile des Barcodes oder Strichcodes. Neben der weltweit möglichen Bestimmung der Artikel kann auch auf Informationen wie das Artikelgewicht, die Bezeichnung, Gebindegröße oder Warengruppe zugegriffen werden. In diesem Blogbeitrag erklären wir Ihnen, was es mit den kryptischen Akronymen EAN, GTIN, UPC, Code128 und weiteren auf sich hat.

Barcode, Strichcode und Co.

Ob Drogerie, Super- oder Baumarkt – überall sieht man die schwarz-weißen Barcodes auf Verpackungen. Neben den Waren selbst können aber auch an Paletten und Kartons mit mehreren Einzelartikeln Strichcodes zu finden sein. Beim Einscannen geben sie die Menge in dem Karton bzw. auf der Palette befindlichen Waren aus. Wichtig: Der Barcode muss sowohl auf dem einzelnen Produkt als auf der Verpackungseinheit gleich sein. Aber der Bar- bzw. Strichcode soll nicht im Fokus unseres Beitrages stehen. Die Zahlen darunter sind es, die uns interessieren.

Was ist die GTIN?

Diese Abkürzung steht für Global Trade Item Number und bezeichnet die 13-stellige Nummer, die sich unter einem Bar- bzw. Strichcode befindet. Weil diese Nummer zur überschneidungsfreien Identifikation von Produkten dient, darf sie seit dem 1. Januar 2019 nur für einen Artikel vergeben werden. Auf diese Weise werden Verwechselungen ausgeschlossen.

Aber wie so oft, gibt es auch im Bereich von GTIN, EAN und Co. einige Schlupflöcher:

  • Bereits im Prototyp-Stadium eines Produktes können GTINs vergeben werden. Hat es ein Artikel nicht darüber hinaus in die Produktion geschafft, kann die Global Trade Item Number nach einem Zeitraum von 12 Monaten neu vergeben werden.
  • Wird ein Produkt zunächst nicht mehr produziert oder fällt aus dem Programm des jeweiligen Unternehmens, kann die GTIN wiederverwendet werden, wenn der betreffende Artikel unverändert wieder ins Sortiment aufgenommen bzw. hergestellt wird.
  • Wenn eine GTIN vor dem 31.12.2018 deaktiviert wurde, darf sie danach nur noch einmal vergeben werden. Empfohlen wird jedoch, die inaktive GTIN nicht erneut zu verwenden, da andernfalls Datenkonflikte drohen.

Achtung: Diese Ausnahmen gelten nicht für technische und medizinische Industrien.

Mithilfe des Barcodes kann die GTIN von Maschinen gelesen werden. Sie wird vom Uniform Code Council (GS1) ausgegeben.

Welche Nummernsysteme gibt es bei der GTIN?

Zunächst ist festzustellen, dass die GTIN grundsätzlich nur aus einer Zahlenfolge besteht. Buchstaben sind dort nicht vorhanden. Weltweit ist die GTIN in der Regel 13-stellig, daher heißt sie auch GTIN-13. Die Ausnahme bilden die GTINs der Vereinigten Staaten von Amerika – dort gibt es lediglich 12 Ziffern. Und auch die Bezeichnung ändert sich, in den USA heißen die GTINs UPC. Das steht für Universal Product Code. Da der UPC 12-stellig ist, wird er unter dem gängigeren Titel GTIN-12 gefasst. Übrigens: Durch das Voranstellen einer 0 kann aus der UPC im Handumdrehen eine gültige GTIN-13 werden.

Ansonsten gibt es auch hierzulande Abweichungen von der 13-stelligen Nummer – und zwar bei kleinen Artikeln, auf denen die GTIN in ihrer vollen Länge keinen Platz hat. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt die GS1 also kürzere Nummern aus, die lediglich 8 Stellen aufweisen. Entsprechend werden diese als GTIN-8 bezeichnet.

Relativ neu ist die GTIN-14. Sie werden es ahnen – 14 Zahlen bilden hier die Nummer, die dennoch auf Basis der 13-stelligen Folgen zusammengesetzt wird.

Gibt es einen Unterschied zwischen GTIN und EAN?

Nein, die beiden Akronyme bezeichnen das Gleiche. Der Begriff GTIN löste im Jahr 2009 die Bezeichnung EAN, die European Article Number, ab.

Wie werden GTINs erzeugt?

Damit Ihre Artikel einwandfrei identifiziert werden, sollten Sie nicht eigenständig Nummern generieren, sondern sie über GS1 Germany offiziell beantragen. Sie erhalten dann keine einzelnen GTINs, sondern ganze Nummernblöcke.

Achtung: Erwerben Sie Ihre GTINs nicht von Drittanbietern. Zum einen ist der Unterhandel mit den 13-stelligen Zahlenreihen verboten und zum anderen wird Ihr Firmenname darin kodiert. Dieser Teil wird als GLN, also Global Location Number, bezeichnet. Im Idealfall kümmert sich der Hersteller, Importeur oder Markeninhaber um die Vergabe und korrekte Kennzeichnung der Waren mit gültigen GTINs.

Beachten Sie außerdem, dass jede Variante Ihrer Produkte eine eigene GTIN bekommt. Das erleichtert die Unterscheidung enorm.

Wie ist eine GTIN aufgebaut?

Die Global Trade Item Number setzt sich wie folgt zusammen:

  • Der 7-, 8- oder 9-stelligen GS1-Basisnummer, die aus den ersten Ziffern Ihrer GLN besteht
  • Einem individuellen Nummernbereich mit 3 bis 5 Stellen
  • Einer einstellige Prüfziffer

Sind Sie bereits GS1-Complete-Kund:in? Über den kostenlosen Prüfziffernrechner können Sie bequem Ihre Zahl berechnen lassen.

Was ist eine GTIN-8-Kurznummer?

Weiter oben haben wir bereits die GTIN-8 erwähnt. Doch was hat es damit auf sich? Eine vollständige GTIN hat in der Regel 13 Stellen. Je nach Druckverfahren benötigt sie ein bestimmtes Platzkontingent, das insbesondere für kleine Artikel zu groß ist. Über GS1 können Sie eine 8-stellige Kurznummer beantragen, die GTIN-8 oder EAN-8. Woran erkennen Sie, dass für Ihr Produkt eine GTIN-8-Kurznummer infrage kommt? Wenn der Code der 13-stelligen GTIN mehr als 25 % der Frontfläche der Verpackung oder bei runden Verpackungen die Hälfte der Fläche multipliziert mit der Höhe des Artikels einnimmt, können Sie einen Barcode mit 8 Ziffern beantragen. Achtung: GTIN-8-Nummern stehen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Stimmen Sie sich daher frühzeitig mit GS1 oder der Druckerfirma Ihrer Verpackungen ab. Für 15 € pro Nummer können Sie als GS1-Complete-Kund:in eine GTIN-8 beantragen.

Was ist eine SGTIN?

Während GTINs ganze Produktkategorien kennzeichnen, werden serialisierte GTINs – kurz SGTINs – zur Bestimmung einzelner Produkte verwendet. Diese Nummern kommen insbesondere in technischen Industrien zum Einsatz, wo einzelne Bauteile voneinander unterschieden werden müssen. Mithilfe der SGTIN ist der gesamte Lebenszyklus eines Artikels nachverfolgbar: von der Herstellung über die vollständige Lieferkette, den Betrieb bis hin zur Verschrottung.

Welche Kodierverfahren gibt es?

Am bekanntesten sind die folgenden 3 Repräsentationen von Strich- bzw. Barcodes:

  • 1D-Strichcodes: Sie bestehen nur aus Linien und können mit allen Scanner-Typen gelesen werden, beispielsweise Laser, CCD oder Imager. CCD ist das Akronym für „charge-coupled device“ und bezeichnet ein lichtempfindliches elektronisches Bauelement. Imager bezeichnen den Kamerachip oder Bildaufnehmer, wie er oft in Kameras zu finden ist.
  • 2D-Strichcodes: Diese Codes können ausschließlich von Imagern gelesen werden. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind QR-, DataMatrix- sowie Aztec-Codes.
  • RFID: An der Ware befindet sich ein kleiner Chip, der die Nummer per Funk überträgt.

Die günstigste Alternative sind 1D-Codes und auch die dafür benötigten Scanner kosten nicht viel.

QR-Codes können außerdem auch von Endkund:innen gescannt werden, um über den Code auf der Produktverpackung zum Artikel im Onlineshop oder auf eine Supportseite zu gelangen. DataMatrix-Codes werden vorrangig von Versanddienstleistern zum Kodieren der Zieladresse sowie Versanddienstleistungen verwendet. 1D-Strichcodes sind häufig auf Produktverpackungen für die Angabe der GTIN in Kassensystemen sowie der Lagerhaltung zu finden. Für einen reibungslosen Kassierablauf ist es daher von Vorteil, wenn der Code auf möglichst allen Seiten der Verpackung aufgedruckt ist.

Was ist Code128?

„EAN, GTIN, UPC, Code128: Was bedeutet das alles?“ – So heißt unser Blogbeitrag. Nachdem wir die ersten 3 Akronyme behandelt haben, fehlt nur noch der Code128. Genauso wie die anderen, bezeichnet auch er einen Strichcode. Der Unterschied zur GTIN? Mit diesem Code lassen sich alle 128 ASCII-Zeichen abbilden – also Zahlen, Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung, Symbole und Steuercodes. Bis auf die japanischen Schriftzeichen Hiragana, Katakana und Kanji kann Code128 sämtliche auf einer Tastatur befindlichen Zeichen darstellen. Dementsprechend computerfreundlich gestaltet sich auch das Auslesen des Barcodes.

Wichtig: In Code128 werden 4 unterschiedliche Balkendicken bei der Kodierung verwendet, daher ist eine hohe Druckqualität nicht nur empfohlen, sondern zwingend notwendig. Punkt-Matrix- oder Tintenstrahldrucker eignen sich nicht für das Aufbringen des Codes auf der Verpackung. Auch Flexodruck auf Wellpappe ist hier unbrauchbar. Wenn der Strichcode aber gut zu lesen ist, können mithilfe von Code128 große Datenmengen dargestellt werden.

In diesen Branchen kommt Code128 zum Einsatz:

  • Bekleidungsindustrie, Lebensmittelverarbeitung, Herstellung von Arzneimitteln und medizinischen Geräten in den USA
  • Lebensmittelindustrie in Australien und Neuseeland
  • Arzneimittelbranche und Geräteproduktion für medizinische Bereiche in Europa

Wozu benötigen bzw. weshalb fordern Marktplatze eine GTIN?

Sinn und Zweck ist hier in der Regel die Erkennung von gleichartigen Listungen. Die Markplätze möchten vermeiden, dass ein- und derselbe Artikel von mehreren Händlern leicht anders benannt und einzeln gelistet wird. Zum Beispiel soll bei der Suche nach „iPhone 12 Smartphone“ auf Amazon nicht das gleiche iPhone mehrfach aufgelistet werden, sondern nur einmal – und erst auf der Produktseite selbst werden die jeweiligen Händler genannt. Der Besucher soll bei der Suche nach einem bestimmten iPhone nicht erst über zig Seiten mit gleichen Artikeln scrollen müssen, um das gewünschte Produkt zu finden. Bei Amazon ist die ASIN („Amazon Standard Identification Number“) in der Regel mit der GTIN-Nummer des Produkts gekoppelt. Das heißt, Amazon assoziiert ein oder mehrere GTIN-Nummern mit einer gemeinsamen ASIN, wenn die GTIN-Nummern das gleiche Produkt beschreiben.

Fazit: Kein Produkt ohne GTIN

Ohne GTIN, EAN, Code128 und Co. geht es nicht. Denn Sie haben dadurch nicht nur die genauen Produktbestände Ihres Onlineshops im Auge. Zusätzlich haben Betreiber:innen von Marktplätzen die Möglichkeit, das Warenangebot für Nutzer:innen anwendungsfreundlich zu strukturieren sowie eigene Prozesse effizienter zu gestalten. Und wenn Sie auf einem Marktplatz à la Amazon oder eBay verkaufen, kommen schlanke Abläufe auch Ihnen zugute.

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